Deutscher Entwicklungstag in Heidelberg: Klare Worte an Minister Niebel

Unter dem Motto „Dein Engagement. Unsere Zukunft” fand am 25. Mai auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum ersten Mal in allen 16 Bundesländern der Deutsche Entwicklungstag statt – für Baden-Württemberg in Heidelberg. Veranstalter waren Engagement Global im Auftrag des BMZ und das Eine-Welt-Zentrum Heidelberg, das entwicklungspolitische Netzwerk, dem rund 50 Organisationen und Initiativen angehören. Schirmherr war Oberbürgermeister Eckart Würzner.

Anders als zunächst geplant, entschied Minister Niebel kurzfristig, selbst an der Heidelberger Veranstaltung teilzunehmen und – wie ein Vertreter der Stadt Heidelberg, Staatsministerin Dr. Gisela Splett für die Landesregierung und Claudia Duppel für den DEAB – ein Grußwort zu sprechen.

Bei vielen der teilnehmenden Gruppen, die ein informatives und ansprechendes Programm auf die Beine gestellt hatten, sorgte das ministerielle Erscheinen für Unmut: „Der Verdacht, dass der Deutsche Entwicklungstag nicht zuletzt der Profilierung des Ministeriums und dem Wahlkampf des Ministers dienen soll, ist nicht von der Hand zu weisen. Und mit seiner überraschenden Entscheidung, nicht nur auf der zentralen Veranstaltung in Berlin aufzutreten, sondern auch entgegen allen Planungen vor Ort in seinen Wahlkreis nach Heidelberg zu kommen, hat Herr Niebel noch Öl ins Feuer gegossen,” sagte Klaus Gottermeier, einer der Sprecher des EWZ.

Für Wirbel sorgte auch die an nahezu allen Ständen präsente Kritik an einer aktuellen Plakatkampagne des Ministeriums, das den afrikanischen Kontinent mit den „Big Five” zeigt, wie Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard in Safari-Terminologie genannt werden, um daran fünf Anliegen von Entwicklungspolitik zu erläutern, unter anderem „Rohstoffe sichern”. „Der Deutsche Entwicklungstag legt einen Schwerpunkt auf Afrika und will der deutschen Bevölkerung einen neuen Blickwinkel auf den Kontinent öffnen. Die Plakatkampagne greift aber gerade auf überkommene koloniale Afrika-Konzepte zurück und zeigt eben kein modernes und differenziertes Bild der Menschen und Länder Afrikas. Ein unverzeihlicher Fauxpas,” so Klaus Gottermeier.

Claudia Duppel gab dem Minister in ihrem Grußwort mit deutlichen Worten zu verstehen, dass die mehr als 300 DEAB-Mitgliedsgruppen ein ganz anderes Entwicklungsmodell vor Augen haben als das BMZ: das Modell der Einen Welt, geleitet von einer Vision weltweiter Gerechtigkeit, in der alle Menschen in allen Teilen der Erde ein menschenwürdiges Leben haben, und in dem wir im Entwicklungsland Deutschland so leben, wirtschaften und Poiltik machen, dass das möglich wird.

Da war der Minister mit seinem Tross allerdings schon weitergezogen in Richtung Berlin, zum nächsten Auftritt ...